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Und die Seele spielt mit

Die körperlichen Veränderungen durch die Akromegalie sind in der Regel gut zu erkennen. Weniger offensichtlich ist die psychische Belastung durch die Erkrankung.

Viele, vor allem länger anhaltende Erkrankungen beeinflussen das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Arztbesuche, Kontrolluntersuchungen, die Einnahme von Medikamenten oder Operationen beeinträchtigen immer wieder das alltägliche Leben.

Nicht wesentlich anders erleben Patienten mit Akromegalie ihre Erkrankung. Bei der Akromegalie kommen zusätzlich äußerlich sichtbare Veränderungen hinzu. Selbst wenn das persönliche Umfeld die Veränderungen gar nicht bemerkt: Der Blick in den Spiegel führt akromegalen Patienten täglich vor Augen, wie sehr sie die Krankheit verändert hat. Die groben Gesichtszüge, die riesenhaften Hände und Füße, die Zunge, die im Mund kaum Platz findet.

Der Tag, an dem Akromegalie-Patienten ihre Diagnose erfahren, verändert ihr Leben. Jeder Mensch verarbeitet ein Ereignis wie die Diagnose der Akromegalie auf eine eigene Art und Weise. Doch gibt es Gemeinsamkeiten bei der Auseinandersetzung mit der Krankheit, die auch auf Menschen mit Akromegalie zutreffen können.

Erleichterung: die Beschwerden haben eine Ursache

Zunächst fühlen sich viele Patienten erleichtert, wenn sie die Ursache ihres - rückblickend betrachtet - unheimlichen Leidens erfahren. Dauernd müde, schmerzende Gelenke, Schwierigkeiten beim Sprechen – es gibt jetzt eine Erklärung. Aber schon macht sich vielleicht Ungewissheit oder gar Angst bemerkbar: Wie geht es weiter? Was bedeutet es, an einem Tumor der Hirnanhangsdrüse erkrankt zu sein? Gibt es eine Behandlung? Und wie sieht diese genau aus? Der Prozess der Krankheitsbewältigung beginnt.

Die Erkrankung bewältigen

Menschen, bei denen der Arzt eine länger dauernde Krankheit festgestellt hat, reagieren häufig ähnlich. Wissenschaftler unternahmen daher den Versuch, die Auseinandersetzung mit einer Krankheit in bestimmte Phasen einzuteilen. Zwar bezogen sich ihre Untersuchungen in erster Linie auf Patienten mit Krebserkrankungen, die beschriebenen Phasen der Krankheitsbewältigung gibt es jedoch auch bei anderen, chronischen Erkrankungen wie der Akromegalie.

Warum die aktive Auseinandersetzung mit der Krankheit und ihren Folgen so wichtig ist? Weil sie zu einer hoffnungsvollen, realistischen Einstellung führen kann, die sich auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen positiv auswirkt.

Resignation und Wut

Wenn die Diagnose feststeht, macht sich häufig am Anfang ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit. Das ist angesichts einer für die Betroffenen zunächst schwierigen und ungewissen Zukunft durchaus normal, solange sie nicht in Resignation umschlägt. Gefühle der Hoffnungslosigkeit zulassen kann ein erster Schritt in Richtung einer positiven Art der Bewältigung sein.

Typisch ist auch ein "Nicht-wahrhaben-wollen", ein Leugnen der Erkrankung: Es gibt Menschen, die gar nicht erkennen möchten, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Dahinter steckt oft die Angst vor der Zukunft oder die Wut, dass es ausgerechnet sie selbst erwischt hat. Dies anzuerkennen fällt oft schwer. Hier können Selbsthilfegruppen gute Dienste leisten. Mit anderen über eigene Erfahrungen zu sprechen, zu hören, dass es anderen ähnlich ergeht, bedeutet häufig eine Erleichterung: Ich bin nicht allein! Besonders bei einer so seltenen Erkrankung wie der Akromegalie fühlen sich viele Betroffene von ihrem Umfeld nicht verstanden.

Leben mit der Erkrankung

Mit der Zeit kommen die meisten Patienten mit ihrer Erkrankung besser zurecht. Sie fühlen sich ihr nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern beginnen mit der Erkrankung zu leben und sie in den Griff zu bekommen. Daraus kann eine Stärke erwachsen, die Dinge zu tun, die helfen, weniger zu leiden und aktiver zu leben.

Dem Leben mit der Akromegalie auch positive Aspekte abzugewinnen, ist eine schwere Aufgabe, die nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Es wird immer gute und schlechte Tage geben. Und schlechte Tage lassen sich am besten vermeiden, wenn man auf seine Gefühle hört und spürt, dass sie sich verändern können – auch zum Positiven hin.

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