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Schlafapnoe-Syndrom: nächtliche Atempausen und ihre Folgen

Tagsüber müde und abgeschlagen? Bei Patienten mit Akromegalie können kurze, unwillkürliche nächtliche Atempausen dahinterstecken.

Einige Veränderungen, die sich im Verlauf der Akromegalie entwickeln, fallen sofort ins Auge: grobe Gesichtszüge, übergroße Hände und Füße, Schwellungen und — falls die Krankheit bereits in der Wachstumsphase des Kindes oder Jugendlichen aktiv war — eine riesige Körpergröße. Andere Gesundheitsprobleme, die durch eine Akromegalie verursacht werden, fallen jedoch nicht gleich auf: So fühlt sich eine ganze Reihe von Patienten tagsüber müde, abgeschlagen, "wie gerädert". Selbst kleine, ungewollte Nickerchen sind keine Seltenheit. Was hat das mit Akromegalie zu tun?

Foto: Schnarchende PersonUnterbrochener, unruhiger Schlaf

Akromegalie-Patienten, die tagsüber ausgesprochen müde sind, schlafen nachts oft sehr unruhig. Häufig stecken so genannte Schlafapnoen dahinter. Darunter versteht man kurze unwillkürliche Atempausen während des Schlafs. Definitionsgemäß spricht man von Schlafapnoe, wenn mehr als zehn Atemaussetzer über jeweils mindestens zehn Sekunden Dauer pro Stunde auftreten. In diesen Phasen werden das Gehirn und andere Organe schlechter mit Sauerstoff versorgt, das Herz beginnt schneller zu schlagen als normal.

Langfristig belastet das Schlafapnoe-Syndrom Herz und Kreislauf und es kann Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit und Depressionen verursachen. Mindestens die Hälfte aller Akromegalie-Patienten ist von solchen unwillkürlichen nächtlichen Atempausen betroffen.

Verlegung der Atemwege

Für die Akromegalie ist die so genannte "obstruktive" Schlafapnoe typisch. Ihr liegt eine Verengung des Atemwegs im Bereich des Rachens zugrunde. Ursachen sind beispielsweise die stark vergrößerte Zunge oder Weichteilschwellungen im Rachenraum, die den Atemweg verengen. Der Atemantrieb ist weniger betroffen, der Betroffene versucht auch während einer Atempause zu atmen. Der Erkrankte bemerkt in der Regel nichts von den Ereignissen.

Wegweisend: Untersuchung des Schlafs

Besteht der Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom, empfehlen Ärzte die Vorstellung in einer Schlafsprechstunde. Neben einer eingehenden Befragung und gezielten körperlichen Untersuchung steht die Untersuchung des Schlafs im Vordergrund, die so genannte Polysomnographie. Dabei werden Gehirnströme mithilfe eines Elektroenzephalogramms aufgezeichnet, außerdem Atembewegungen, Sauerstoffsättigung des Bluts und Blutdruck kontrolliert. Anhand der erhobenen Befunde kann der Arzt mit großer Sicherheit feststellen, ob ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt oder nicht.

Foto: Person mit AtemhilfeBehandlung

Das Schlafapnoe-Syndrom ist behandelbar. Das Behandlungsverfahren, das die größten Erfolgsaussichten bietet, die CPAP-Atemhilfe, ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Die meisten Betroffenen jedoch empfinden die positiven Folgen der Behandlung als Segen. Dabei steht CPAP für "continuous positive airway pressure": Es handelt sich um ein Behandlungsverfahren, bei dem ein Gerät mit einem geringen Druck kontinuierlich Luft in die Nase und weiter in den Atemweg bläst. Dieser "positive" Atemwegsdruck bewirkt, dass sich der Atemweg im Bereich des Rachens nicht verschließt. Damit keine Luft an der falschen Stelle entweicht, dichtet eine Atemmaske Nase und Mund ab (Foto links).

Haben sich Betroffene und ihre Partner erst einmal mit Gerät und Maske angefreundet, kommen sie in der Regel gut damit zurecht, sie überhören die Geräusche des Geräts einfach. Außerdem sind die Auswirkungen meist so positiv, dass sie die etwas unbequeme Art der Behandlung gerne in Kauf nehmen. Als Behandlungsalternative kann man beim Schlafapnoe-Syndrom grundsätzlich noch eine Operation in Betracht ziehen.

In jedem Fall bessert eine möglichst gute Behandlung einer noch aktiven Akromegalie die Schlafapnoen. Studien belegen, dass die Verkleinerung der Zunge und die Rückbildung von Schwellungen im Bereich des Rachenraums durch eine wirksame Behandlung der Akromegalie die Beschwerden bessern können.

Fazit

Das Schlafapnoe-Syndrom gehört zu den weniger bekannten und weniger auffälligen möglichen Folgen einer Akromegalie. Wichtig ist, daran zu denken und zu wissen, dass Ärzte und Betroffene etwas dagegen unternehmen können. Dazu zählt zum einen die CPAP-Atemhilfe, zum andern aber auch vor allem die optimale Behandlung der Akromegalie.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. S3-Leitlinie Nichterholsamer Schlaf/Schlafstörungen. Somnologie 2009; 13: 4-160.

Coalo A, et al. Systemic complications of acromegaly: epidemiology, pathogenesis, and management. Endocr Rev 2004; 25: 102-152.

Berg C, et al. Influence of disease control with pegvisomant on sleep apnoea and tongue volume in patients with active acromegaly. Eur J Endocrinol. 2009; 161: 829-835.

Fotos oben: SchnarcherTV, pixelio.de;
Foto unten: Michael Symonds, Wikipedia.